Abschied von Paul

Die Chorgemeinschaft „Eintracht“ Neundorf nahm am 21. März 2026 Abschied von ihrem langjährigen 1. Vorsitzenden und Ehrenmitglied Paul Just. Zu der bewegenden Gedenkfeier in der Neundorfer Kirche waren viele seiner Mitstreiter der vergangenen Jahrzehnte, Vertreter befreundeter Chöre und des öffentlichen Lebens, Angehörige, Freunde und Nachbarn erschienen, um dem Verstorbenen die letzte Ehre zu erweisen.

Paul Just wurde am 25. Juni 1936 in Staßfurt geboren, ging hier zur Schule und erlernte den Beruf des Herrenschneiders, in dem er es bis zum Meister brachte.

Mit seiner ersten Lebenspartnerin Vera lebte er in Egeln und hatte zwei Kinder. Hier entdeckte er auch seine Liebe zum Chorgesang. 1966 kam er zu seiner Christel nach Neundorf, die ihn bis an sein Lebensende liebevoll begleitete, so wie er auch immer für sie da war.

Paul trat 1969 in den Männerchor „Eintracht“ ein und war über 40  Jahre lang 1. Vorsitzender des Chores und der 2023 gebildeten gemischten Chorgemeinschaft „Eintracht“  Neundorf. Er hat mehr als sein halbes Leben lang für das kulturelle Leben im Ort, in Staßfurt und darüber hinaus gewirkt. Er war sozusagen ein Hansdampf in allen Gassen, pflegte Kontakte zu Behörden, Firmen und Institutionen, suchte die Verbindung mit anderen Ensembles und war ständig bemüht, die Chorfreundschaften weiterzuentwickeln. Er war jahrelang Vorstandsmitglied des Chorkreises Askanien, der unter seinem Dach die Chöre des Salzlandkreises vereint.

 

Paul Just war auch einer der Initiatoren des Neundorfer Karnevals, der fast fünfzig Jahre lang seine vielen Anhänger begeisterte. Als „Chefkarnevalist“ sorgte er nicht nur für die organisatorische Vorbereitung und Durchführung der Sessionen, sondern als gelernter Schneider nähte und änderte er auch selbst Kostüme und übernahm darüber hinaus noch den Kartenverkauf. Das erforderte alles einen hohen zeitlichen und auch physischen Aufwand und geschah natürlich auf ehrenamtlicher Basis ohne jegliche materielle Vergütung.

Großer Dank gilt deshalb auch seiner Christel und den anderen Familienangehörigen, deren Interessen oft hinter den Belangen des Chores zurückstehen mussten.

 

Paul unterstützte aktiv die Bildung des Neundorfer Frauenchores, für den er nach intensiven Bemühungen eine Chorleiterin ausfindig machte. Gudrun Millsimmer leitete den Chor rund 25 Jahre, bevor sie aus gesundheitlichen Gründen aufhören musste.

 

Zur Förderung des Vereinslebens organisierte Paul, natürlich in enger Zusammenarbeit mit dem Chorvorstand,  Fahrten ins Blaue und andere gesellige Veranstaltungen. Mit großer Beharrlichkeit suchte er Betriebe und Gewerbetreibende auf, um finanzielle Zuwendungen zu erhalten. Er hatte auch großen Anteil an der Auszeichnung des Männerchores mit der Zelterplakette, die vom Bundespräsidenten verliehen wird. Ebenso sorgte er mit dafür, dass eine neue, sehr aufwändig gefertigte Vereinsfahne beschafft werden konnte. Nicht vergessen wollen wir, dass er sich auch intensiv um die Beschaffung und Pflege der Chorkleidung kümmerte, die er zum Teil bei sich zu Hause aufbewahrte und bei Bedarf auch änderte, wenn die Träger nicht mehr so recht hineinpassten.

 

Paul hatte ein sehr herzliches Verhältnis zur Chorleiterin Vera Hof, die seit 20 Jahren zu den wöchentlichen Proben von Magdeburg nach Neundorf kommt. Er schätzte ihre musikalische Arbeit sehr und bemühte sich auch um einen engen Kontakt zu ihrer Familie.

 

Für sein unermüdliches Wirken wurde Paul Just mehrfach ausgezeichnet, so mit der Goldenen Ehrennadel des Deutschen Chorverbandes, der Dr.-Friedrich-Schneider-Medaille des Chorverbandes Sachsen-Anhalt und dem Eintrag in das Goldene Buch der Stadt Staßfurt.

 

Die Chorgemeinschaft „Eintracht“ Neundorf beklagt den schmerzlichen Verlust eines Urgesteins des Chorgesangs.